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Kunst und Sinngebung

Die mnemonischen Zeichen* für Sinngebung
(*ein Wort, eine Wortkette oder Zeichen, deren Zweck es ist, einfacher erinnerbar zu sein, als die Sache, für die sie stehen)

Buddhisten erinnern sich an das Muster und die Struktur von Vorgängen und Ereignissen durch ihren regelmässig wiederholten Gebetsgesang “Om mani padme hum”; bzw “Aum ma-ni pay-may hung” wie er von Tibetern und Nepalesen ausgesprochen wird, der bedeutet:

Om: der juwel im lotus : hum

Nach der Erklärung von Peter Matthiessen (The Snow Leopard, Picador, 1980):
Aum (das Anstimmen) ist die harmonische Schwingung des Erwachens oder Beginnens, der Sound aller Stille und die Sounds aller Zeit; es ist die fundamentale Schwingung, die uns das Universum selbst ins Gedächtnis ruft.
Ma-ni: Die sich nicht verändernde Essenz oder der diamantine Kern aller Phenomene; die Wahrheit, repräsentiert als Diamant, Edelstein oder Blitzstrahl. Es wird manchmal in Gemälden als blaue Kugel/blauer Himmelskörper oder scheinender Juwel dargestellt, sowie als die Quelle eines Blitzes oder Feuer.
Pay-may: “Umfasst vom Herzen des Lotus” (mani umfasst). Das sichtbare und tägliche sich Entwickeln und Entfalten von Ereignissen, Blütenblättern oder Strukturen/Mustern, die uns somit den essentiellen Kern (mani) offenbaren und unserem Verständnis zugänglich machen. Der Kern selbst, oder die Realisation des Kerns, ist nirvana (der vollkommene Zustand des Buddhismus). Der Lotus repräsentiert die einbeziehende Ordnung der mosaikartig verbundenen Ereignisse und den Prozess, in dem sich der Verlauf der Zeit entfaltet und zu fortwährenden Offenbarungen/Erkenntnissen führt.
Im Kern/im Zentrum liegt das sich nicht verändernde Wissen.
Hung (das abmelden): “Es ist hier, jetzt.” Ein Ausruf des Glaubens an die gesungenen Worte von Seiten des Betenden. Es dient auch als Einleitung zum “Om” oder des Anfangs des neuen Gesangszyklus, wobei in einer langen Sequenz von solch kurzen Gebetsgesängen jedes Wort dem vorangegangenen folgt. Dies ist das mnemonische Zeichen, das an die in Zusammenhang bringende Qualität der Zeit erinnern soll; alle Ereignisse sind jetzt präsent und wiederholen sich fortlaufend sich in ihrer Form.

In Gesängen, Kunst und dekorativem Kunsthandwerk von Stammesvölkern können wir viele solche mnemonischen Muster erkennen, die in ihrer Evolution über die Jahre ziemlich genau das gleiche Konzept der Welt zum Ausdruck bringen wie die moderne Physik und Biologie.
Solch bedachte und lebendige Ansichten kommen dem Erkennen der tatsächlichen Natur der um uns herum beobachteten Abläufe sehr nahe. Sie stammen aus der Kontemplation solcher Abläufe und lassen vielmehr eine Art zu Leben und eine Philosophie erkennen, als ein Dogma oder eine Verwendung von Maßeinheiten.
Solche entwickelten Überzeugungen stehen vor der Hervorhebung des Individuums oder der Aufteilung von Leben in Kategorien und Disziplinen und sie gehen über sie hinaus. Wenn wir die Wurzeln von Glauben erforschen, oder genauer ausgedrückt, von Sinngebung, dann stossen wir immer wieder auf die Ein-heit, die der Wissenschaft, dem Wort, dem Lied, der Kunst und den Mustern zugrunde liegt: dem “Juwel im Herzen des Lotus”.
Demnach können wir erkennen, daß viele Glaubensrichtungen der Welt eine essenzielle Kernansicht teilen, aber wir erkennen auch das Abdriften von solch in der Natur verwurzelten und im Wesentlichen universellen Systeme, hin zu vermenschlichten Göttern, Dogmen und Fanatismus, sowie hin zu Symbolen ohne Bedeutung und Nutzen für unser Leben oder für unser Verständnis des Lebens.
Viele andere Welt Konzepte, die auf Analogien von Regenbogen, Schlangen und Lieder Zyklen basieren, sind mit Aspekten der integrierten Weltsicht verwandt und finden sich in nord- und südamerikanischen sowie australischen indigenen Stammes Kulturen.


Auszug aus ‘Permaculture, A Designer’s Manual’ by Bill Mollison, Tagari Publications, 1988

 

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